Diagnostik bei Schlafstörungen
Der Ablauf der Untersuchungen bei chronischen Schlafstörungen beginnt mit der Anamnese, hier ist letztendlich wesentlich, dass an Hand einer bestimmten Symptomkonstellation an das mögliche Vorliegen einer chronischen Schlafstörung gedacht wird. Wird das Vorliegen einer Schlafstörung anamnestisch in Betracht gezogen, erfolgen orientierende Untersuchungen zur weiteren Differenzierung und Abgrenzung, hier sind die Erfassung kardiovaskulären Risikofaktoren, bestimmter neurologischer und/oder psychiatrischer Erkrankungen, der HNO-Status und die Klärung des möglichen Bestehens obstruktiver Ventilationsstörungen (Asthma, COPD) notwendig. Erhärtet sich der Verdacht auf das Vorliegen einer Schlafstörung, wird als folgende Untersuchung eine kardiorespiratorische Polygrafie durchgeführt. Die definitive Abklärung einer Schlafstörung erfolgt im Schlaflabor durch Polysomnografie.
Die Anamnese von Schlafstörungen soll folgende Fragen klären:
- Subjektives Empfinden der Schlafqualität, unterstützt durch Fragebögen, zum Beispiel Epworth Sleepiness Scale (EPSS)
- Insomnie, Hypersomnie, Restless Legs?
- Ausreichende Schlafhygiene?
- Relevante neurologische und psychiatrische Begleitkrankheiten (insbesondere Depression)
- Ablauf kardiovaskulärer Erkrankungen (Herzinfarkt, Schlaganfall)
- Medikamente, insbesondere Schlafmittel
- Alkoholkonsum
Kardiorespiratorische Polygrafie
 Aufzeichnung von Messwerten bei der Polygrafie. Diese Schlafuntersuchung erfolgt zu Hause. Als nächster diagnostischer Schritt wird eine kardiorespiratorische Polygrafie durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine ambulant durchgeführte Untersuchung des Schlafs, bei der der Patient in der häuslichen Umgebung verbleibt und wichtige Parameter des Schlafs aufgezeichnet werden. Die Messung lässt sich von der Durchführung und der Belastung für den Patienten her am ehesten mit einem Langzeit-EKG vergleichen, wobei jedoch wesentlich mehr Parameter aufgezeichnet werden. Nach den Vorgaben der BUB-Richtlinien vom 11.11.2004 muss eine Polygrafie in der ambulanten Diagnostik den Atemfluss an Mund und Nase (Flowsensor), Schnarchgeräusche (Schnarchmikrophon), die Messung der Sauerstoffsättigung und der Herzfrequenz (Clip am Finger), die thorakalen und abdominellen Atembewegungen (thorakale und abdominelle Gurte mit Messdehnungsstreifen) und die Körperlage über einen Zeitraum von mindestens 6 Stunden erfassen. Die kontinuierlich erfassten Messwerte werden in einem kleinen Messgerät gesammelt und gespeichert, die Auswertung erfolgt am Computer.
Die Polygrafie ist sehr gut geeignet, schlafbezogene Atmungsstörungen zu erfassen: Atemstillstände während des Schlafs lassen sich mit der Messung des Atemflusses an Mund und Nase gut erkennen. Allerdings kann mit der Polygrafie kein Ausschluss einer schlafbezogenen Atmungsstörung bzw. einer Schlafstörung überhaupt erfolgen, da eine Beurteilung der Schlaftiefe und der Schlafqualität wegen des Fehlens der zur Beurteilung des Schlafprozesses notwendigen EEG-Ableitungen nicht möglich ist. So kann im Einzelfall nicht einmal entschieden werden, ob die untersuchte Person überhaupt geschlafen oder lediglich 6 Stunden lang wach gelegen hat. Auch die Beurteilung motorischer Aktivitäten im Schlaf (beispielsweise periodische Beinbewegungen) kann wegen des Fehlens von EMG-Ableitungen nicht erfolgen. Dies bedeutet, dass alle nach Durchführung einer Polygrafie unklaren Situationen durch Polysomnografie im Schlaflabor geklärt werden müssen.
Polysomnografie
 Bei der Polysomnografie werden viele weitere Messungen vorgenommen. Sie wird im Schlaflabor durchgeführt. Der Polysomnografie entgeht nichts: neben den bei der Polygrafie verwendeten Ableitungen werden zusätzlich 2 Ableitungen des EEG (Elektroenzephalogramm, Messung und Aufzeichnung der Hirnstromaktivität zur Bestimmung der Schlafstadien), 2 Ableitungen des EOG (Elektrookulogramm, Messung und Aufzeichnung der Augenbewegungen zur Bestimmung der Schlafstadien) und 3 Ableitungen des EMG (Elektromyogramm, Messung und Aufzeichnung von Muskelaktivitäten am Kinn und beiden Unterschenkeln zur Beurteilung motorischer Phänomene im Schlaf) verwendet. Schließlich erfolgen darüber hinaus eine optische sowie akustische Überwachung und Aufzeichnung während der gesamten Schlafdauer. Die Polysomnografie wird im Schlaflabor durchgeführt, sie erfordert einen hohen personellen und zeitlichen Aufwand sowohl bezüglich der Anbringung der Messkabel (spezielle Schulung des Personals erforderlich) als auch der Registrierung der Messwerte (Nachtwache mit permanenter Anwesenheit erforderlich) und Auswertung der Polysomnografie (speziell ausgebildetes Personal, ärztliche Tätigkeit).
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