Restless Legs
Das "Syndrom der unruhigen Beine" (Restless Legs) ist durch einen unwiderstehlichen Bewegungsdrang der Beine gekennzeichnet, der meist von unangenehmen, mitunter quälenden Missempfindungen begleitet wird, die im Inneren der Beine, meist in den Unterschenkeln, lokalisiert werden. Die Beschwerden treten ausschließlich oder verstärkt abends oder nachts in Ruhesituationen auf und werden durch aktive Bewegung für kurze Zeit gebessert. Auf Grund der abendlichen oder nächtlichen Symptomatik kann die Schlafqualität erheblich beeinträchtigt sein. Die meisten Personen mit Restless Legs berichten über Ein- und Durchschlafstörungen mit Gesamtschlafzeiten von wenigen Stunden pro Nacht.
Das Syndrom der unruhigen Beine ist nicht selten, die Häufigkeit wird auf etwa 5 bis 10% in der Allgemeinbevölkerung geschätzt. Die Häufigkeit eines behandlungsbedürftigen Restless-legs-Syndroms bei Erwachsenen in einer Allgemeinarztpraxis beträgt etwa 3%. Viele Patienten werden nicht oder nur sehr spät erkannt und oft auch trotz korrekt gestellter Diagnose nicht ausreichend behandelt. Etwa ein Drittel aller Patienten erkrankt mit ersten Beschwerden bereits vor dem 20. Lebensjahr, Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Gewöhnlich treten die Beschwerden nur phasenhaft auf, es bestehen lange beschwerdefreie Intervalle. Mit zunehmendem Lebensalter und zunehmender Krankheitsdauer werden die Beschwerden jedoch chronisch progredient, beschwerdefreie Intervalle sind meist nicht mehr vorhanden. Dann treten Beschwerden durch Ein- und Durchschlafstörungen mit entsprechenden Folgen (nicht erholsamer Schlaf, Tagesmüdigkeit) in den Vordergrund.
Besonders häufig kommt das Restless-Legs-Syndrom bei Patienten mit Niereninsuffizienz vor, etwa 20 bis 40% aller Dialysepatienten sind betroffen. Auch während der Schwangerschaft (20%) und bei chronischer Polyarthritis (bis 30%) treten Beschwerden häufig auf. Auch unerwünschte Wirkungen durch Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika, Metoclopramid etc.) sind als mögliche Auslöser zu berücksichtigen.
Die Entstehung der Erkrankung ist zu großen Teilen unbekannt, eine gewisse Rolle scheint absoluter und relativer Eisenmangel zu spielen: bei vielen Patienten mit niedrigem oder erniedrigtem Eisenspiegel tritt nach Eisensubstitution eine eindrucksvolle Besserung der Beschwerden ein. Auch Vitaminmangel (B12, Folsäure) kann zum Auftreten von restless legs führen, eine Substitution beseitigt dann die Beschwerden.
Die Diagnose eines Restless-Legs-Syndrom kann gestellt werden, wenn 4 essentielle Kriterien nach der IRLSSG (International Restless Legs Syndrom Study Group) erfüllt sind:
- Bewegungsdrang der Beine, begleitet von unangenehmen Missempfindungen
- Der Bewegungsdrang und die Missempfindungen beginnen oder verschlechtern sich bei Ruhe oder Inaktivität
- Der Bewegungsdrang und die Missempfindungen werden durch aktive Bewegungen gebessert
- Die Beschwerden sind abends oder nachts grundsätzlich stärker als während der übrigen Zeiten des Tages
Die Behandlung des Restless-Legs-Syndroms erfolgt bei selten auftretenden Beschwerden zunächst mit Selbsthilfe: Maßnahmen der Schlafhygiene in Verbindung mit Bewegung beim Auftreten der Symptome sind oft ausreichend. Bei unzureichendem Effekt, häufigerem Auftreten der Beschwerden und bestehenden Einschlafstörungen wird L-Dopa zur medikamentösen Behandlung eingesetzt. L-Dopa hat eine Wirkungsdauer von einigen Stunden und beseitigt recht zuverlässig die Einschlafstörungen. Bei unzureichendem Effekt, zusätzlich bestehenden Durchschlafstörungen oder auch am Tag auftretenden Beschwerden werden Dopaminagonisten eingesetzt, von denen Pramipexol oder Ropinirol die größte Bedeutung haben.
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