Narkolepsie
Die Narkolepsie ist eine seltene (Häufigkeit etwa 0,025 bis 0,16% in der deutschen Bevölkerung), familiär gehäuft auftretende Erkrankung, der eine Störung der Schlaf-Wach-Regulation zu Grunde liegt. Der normale stadienhafte Ablauf von Wachheit, Schlaf und Traumschlaf ist durch eine angeborene oder erworbene Störung bestimmter Eiweißstoffe im Hirnstoffwechsel (Hypocretine, Oxerine) gestört. Die körperliche und die geistige Leistungsfähigkeit betroffener Personen wird durch eine zunehmende, übermäßige Tagesschläfrigkeit mit ungewolltem Einschlafen (Schlafattacken besonders in monotonen Situationen) extrem eingeschränkt, diese Symptome treten oft schon in der Jugend auf. Später können dann zusätzliche Anfälle mit plötzlicher Muskelatonie (völlige Muskelerschlaffung), die auch als Kataplexie bezeichnet werden, hinzutreten. Besonders durch intensive Gefühlsempfindungen (Freude, Lachen, Ärger) ausgelöst, reicht die plötzliche Muskelerschlaffung vom "Gefühl der weichen Knie" bis zum Hinstürzen. Im Zustand der Schläfrigkeit tritt häufig automatisches Verhalten auf. Nachts ist der Schlaf trotz der extremen Tagesmüdigkeit unruhig und häufig durch Wachphasen unterbrochen. Zusätzlich können nächtliche Halluzinationen und Schlaflähmungen auftreten, in denen bei wachem Bewusstsein keinerlei willkürliche Bewegung möglich ist, diese Situationen werden oft als sehr Angst auslösend erlebt.
Das Erstsymptom Tagesschläfrigkeit ist häufig zu unspezifisch, um eine frühzeitige Diagnose zu ermöglichen; oft kann erst nach mehreren Jahren, mit dem Hinzutreten weiterer Symptome (Halluzinationen, Kataplexie), eine Klärung erfolgen. Zur Diagnosestellung ist eine Untersuchung im Schlaflabor erforderlich, im Schlaflabor wird neben einer Polysomnografie ein Multipler Schlaflatenztest (MSLT) am Tag durchgeführt. Bei dieser Untersuchung wird die Zeit gemessen, die eine Person benötigt, um einzuschlafen (so genannte Schlaflatenz). Bei Nachweis von verkürzten Schlaflatenzen unter 8 Minuten im MSLT und mindestens zwei vorzeitig auftretenden Traumschlafphasen (REM-Schlaf) in der Polysomnografie ist die Diagnose bei typischer Symptomatik gesichert. Im Zweifel kann eine Bestimmung des Hypocretinspiegels (Oxerine) in der Hirnwasserflüssigkeit erfolgen, ergänzend kann eine genetische Untersuchung (Nachweis des Erbmerkmals HLA DR 15 im Blut) durchgeführt werden.
Eine Heilung der Erkrankung ist nicht möglich. Durch Erlernen von Bewältigungsstrategien, Umstrukturierung der Schlaf- und Wachzeiten und gegebenenfalls auch durch gezielte medikamentöse Maßnahmen kann jedoch in der Regel ein akzeptabler Zustand erreicht werden. Die individuell notwendige Schlafmenge muss gewährleistet sein (Schlafhygiene), kurze Tagschlafphasen müssen ermöglicht werden, ausreichende körperliche Aktivität (sportliches Training) ist zu empfehlen, auf Alkohol sollte komplett verzichtet werden. Gezielte medikamentöse Maßnahmen (Modafenil, Methylphenidat) können zusätzlich eingesetzt werden, um die Schläfrigkeit zu verringern. Die nächtlichen Halluzinationen, die Schlaflähmungen und die Kataplexie werden mit speziellen Antidepressiva behandelt.
Weitere Informationen zur Erkrankung finden Sie unter www.dng-ev.org.
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