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Impfungen

In der Lungenheilkunde sind zwei Impfungen von herausragender Bedeutung:

Grippe-Schutzimpfung

Grippe-Schutzimpfung

Was ist Grippe?

Die Grippe ist eine Virusinfektion, die durch das Influenzavirus Typ A hervorgerufen wird. Das Virus wird durch Tröpfcheninfektion (Abbildung) in die Atemwege aufgenommen und dringt in die Zellen der Bronchialschleimhaut ein, wo es sich massiv vermehrt. Dabei gehen die Zellen der Bronchialschleimhaut zu Grunde und ebnen so den Weg für bakterielle Infektionen der Atemwege und andere lebensbedrohliche Komplikationen.

Ist Grippe häufig?

Jedes Jahr erkranken in Deutschland - bevorzugt in den Monaten Februar und März - etwa 2 Millionen Personen an Grippe. In manchen Jahren gibt es regelrechte "Grippewellen", die als Epidemie bezeichnet werden und zu zusätzlich mehreren Millionen Erkrankungsfällen führen. "Tsunamis" von Grippewellen führen im Abstand von einigen Jahrzehnten zu katastrophalen Verhältnissen. So starben an der weltweiten Epidemie der Spanischen Grippe 1918 etwa 30 Millionen Menschen weltweit an der Grippe, die letzte große Epidemie durch die Hongkong-Grippe im Jahr 1968 forderte weltweit 1 Million Todesopfer. Befürchtungen, dass es sich bei der im April 2009 erstmals aufgetretenen Neuen Influenza ("Schweinegrippe") um einen derartigen "Tsunami" handeln könnte, haben sich bislang nicht bestätigt. Dennoch:
Experten sind sich einig: der nächste "Grippe-Tsunami" WIRD kommen.

Ist Grippe gefährlich?

Die saisonale Grippe führt jedes Jahr zu etwa 10.000 Todesfällen, betroffen sind vor allem Kinder, alte Menschen und Personen mit Vorerkrankungen der Atemwege wie Asthma und COPD. Epidemien führen zu einer 10- bis 100fach höheren Todesrate. Todesursachen sind hier meist Lungenentzündungen und Herz-Kreislauf-Versagen.

Was ist zu tun?

Die jährliche Grippeschutzimpfung ist die beste Möglichkeit, sich vor dem Eintritt der Grippeviren in die Bronchialschleimhaut zu schützen, der Impfschutz beträgt etwa 60 bis 80%. Bei geimpften Personen, die an Grippe erkranken, verläuft die Erkrankung milder.

Wer soll geimpft werden?

ALLE. Viele Bundesländer empfehlen die Grippeschutzimpfung mittlerweile für alle Menschen. Die STIKO empfiehlt die Impfung auf jeden Fall bei allen Kindern, Personen über 60 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen im Bereich der Atemwege wie beispielsweise Asthma und/oder COPD.

Gibt es Nebenwirkungen?

Der Impfstoff wird mit einer dünnen Nadel unter die Haut in den Oberarm injiziert und kann dort zu lokalen Reaktionen (Schmerzen, Rötung, Schwellung) führen. Daneben können aber auch Allgemeinreaktionen auftreten.

Häufige Nebenwirkungen (1/10 bis 1/100):
Lokalreaktionen: Rötung, Schwellung, Schmerzen, Verhärtung
Allgemeinreaktionen: Kopfschmerzen, Schwindel, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, Müdigkeit
Diese Beschwerden verschwinden in aller Regel nach 1 bis 2 Tagen.

Nebenwirkungen, die überhaupt jemals im Zusammenhang mit einer Grippeschutzimpfung beobachtet wurden: Vorübergehende Thrombozytopenie, vorübergehende Lymphadenopathie, allergische Reaktionen, in seltenen Fällen bis hin zum Schock, Abgioödem, Neuralgien, Parästhesien, Fieberkrämpfe, Enzephalomyelitis, Neuritis, GUILLAIN-BARRÉ-Syndrom, Vaskulitis mit vorübergehender Nierenbeteiligung, Pruritus, Urticaria, Ausschlag.

Wie erkenne ich die Grippe?

Die Grippe beginnt wie eine gewöhnliche Erkältung, nur meist sehr akut und mit deutlich schwererem Krankheitsgefühl, weitere Unterschiede sind in der Tabelle dargestellt.

 ErkältungGrippe
 AnteilSchwereAnteilSchwere
Schnupfen90%+++25%+
Kopfschmerz25%+85%+++
Halsschmerz50%++55%++
Schlappheit20%+80%+++
Husten40%++90%+++
Frösteln10%+90%+++
Fieber 37,5°C1%-95%-
Muskelschmerz  10%+70%++


Pneumokokken-Schutzimpfung

Was sind Pneumokokken?

Pneumokokken sind Bakterien, die für eine Vielzahl von Erkrankungen im Kleinkind- und Erwachsenenalter verantwortlich sind. Pneumokokken führen zu Lungenentzündung (Pneumonie), Mittelohrentzündung (Otitis media), Infektexazerbation bei COPD, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) und Blutvergiftung (Sepsis).

Wer hat mit Pneumokokken zu tun?

Das Reservoir für Pneumokokken sind vor allem Kleinkinder zwischen 0 und 2 Lebensjahren. Kleinkinder können selbst schwer erkranken und zusätzlich die Bakterien auf Erwachsene übertragen, was bei gesunden Personen unproblematisch ist. Allerdings können bei Kindern und Erwachsenen mit chronischen Atemwegserkrankungen lebensbedrohliche Erkrankungen durch Pneumokokken hervorgerufen werden.

Was ist zu tun?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt die Pneumokokkenschutzimpfung für alle Kinder ab dem zweiten Lebensmonat mit einem so genannten Konjugat-Impfstoff (7-valent; seit Dezember 2009 13-valent). Diese Impfungen werden seit einigen Jahren als Kombinationsimpfung mit anderen Impfstoffen (Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Hämophilus influenzae Typ B, Polio) durch den Kinderarzt im Rahmen der Allgemeinen Impfempfehlungen für Kinder (Impfkalender) verabreicht.

Ist die Impfung wirksam?

Die bisherigen Erfahrungen zeigen als Konsequenz aus den systematischen Impfungen bei Kleinkindern neben einer deutlichen Abnahme der Häufigkeit an Erkrankungen durch Pneumokokken im Kindesalter eine ebenfalls erhebliche Abnahme lebensbedrohlicher Erkrankungen durch Pneumokokken bei Erwachsenen. Die STIKO-Experten haben daher die bisherigen Standards modifiziert und empfehlen seit Juli 2009 folgendes Vorgehen:

Wer soll geimpft werden?

Alle Erwachsenen ab 60 Jahren die einmalige Impfung gegen Pneumokokken mit einem so genannten Polysaccharid-Impfstoff (Standardimpfung). Eine Auffrischung ist nicht notwendig. Eine einmalige Impfung sollte darüber hinaus bei Personen ab dem zweiten Lebensjahr bei Vorliegen folgender Probleme und Erkrankungen (Indikationsimpfung):

(1) Angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, wie z.B.:

  • Hypogammaglobulinämie, Komplement- und Properdindefekte
  • bei funktioneller oder anatomischer Asplenie
  • bei Sichelzellenanämie
  • bei Krankheiten der blutbildenden Organe
  • bei neoplastischen Krankheiten
  • bei HIV-Infektion
  • nach Knochenmarktransplantation
  • vor Organtransplantation und vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie

(2) Chronische Krankheiten, wie z.B.:

  • Herz-Kreislauf-Krankheiten
  • Krankheiten der Atmungsorgane (inkl. Asthma und COPD)
  • Diabetes mellitus oder andere Stoffwechselkrankheiten
  • chronische Nierenkrankheiten/nephrotisches Syndrom
  • neurologische Krankheiten, z. B. Zerebralparesen oder Anfallsleiden
  • Liquorfistel

Ist eine Auffrischung notwendig?

Eine Auffrischung der Pneumokokkenschutzimpfung bei chronischen Erkrankungen der Atemwege ist nicht mehr erforderlich.

Eine Auffrischung der Impfung alle 5 Jahre (bei Kindern unter 10 Jahren alle 3 Jahre) wird nur noch für Personen mit folgenden Erkrankungen empfohlen (Kinder ab dem zweiten Lebensjahr, Jugendliche und Erwachsene):
- Angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion
- chronische Nierenkrankheiten, nephrotisches Syndrom

Gibt es Nebenwirkungen?

Der Impfstoff wird mit einer dünnen Nadel unter die Haut in den Oberarm injiziert und kann dort bei bis zu 35% der Geimpften zu lokalen Reaktionen (Schmerzen, Rötung, Schwellung) führen. Diese Symptome sind harmlos und verschwinden innerhalb weniger Tage. Allgemeinreaktionen mit Beschwerden wie bei einer "Erkältung" sind deutlich seltener und treten bei etwa 1% aller Impfungen auf.



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